Feor – Gott der Neuschöpfung und des Untergangs

So wisse: Alles, was lebt, ist geliehen, und alles, was stirbt, kehrt heim.
Feor gibt den ersten Atemzug und nimmt den letzten nicht aus Grausamkeit,
sondern aus Notwendigkeit.
Wo der Kreislauf geachtet wird, dort gedeiht die Welt.
Wo er gebrochen wird, dort folgt Verfall.

– Auszug aus dem Glaubensbuch

Feor ist der Gott des ewigen Kreislaufs. Er verkörpert das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod, Wachstum und Vergehen, Anfang und Ende. Wo andere Glaubensrichtungen sich einem einzelnen Aspekt verschreiben, vereint Feor beides in sich: die Kraft der Neuschöpfung ebenso wie die Notwendigkeit des Untergangs. Nichts darf ewig bestehen, nichts darf sinnlos vergehen – so lautet das Grundprinzip seines Glaubens.

Der Ursprung Feors liegt in einer Zeit großer Unordnung. Als Bruder gegen Bruder kämpfte und Gier und Zorn die Welt bestimmten, zog sich Feor zurück, um einen Ort des Friedens zu schaffen. Dort lehrte er, dass alles Leben aus derselben Erde entspringt und zu ihr zurückkehrt. Aus diesen Lehren entstand der Glaube an den Kreislauf, an Wiedergeburt und Wandel – und an die Verantwortung, diesen Kreislauf zu bewahren.

Der Glaube an Feor kennt zwei gleichwertige Pfade, die sich ergänzen und gegenseitig bedingen.

Die Priesterinnen und Priester der Neuschöpfung widmen sich dem Leben. Sie segnen Felder, begleiten Geburten, helfen beim Aufbau von Gemeinschaften und heilen, wo Heilung möglich ist. Ihre Tempel sind hell, offen und von Musik erfüllt. Sie tragen die Farben Blau und Weiß und werden vom Volk meist mit Wohlwollen empfangen.

Doch wo Leben bewahrt wird, darf der Tod nicht verleugnet werden. So entstand der zweite Pfad: die Priesterinnen und Priester des Untergangs. Sie begleiten Sterbende, vollziehen Hinrichtungen, stehen an der Seite der Gemeinschaft in Zeiten von Seuchen, Krieg oder unausweichlichem Leid. Ihr Weg ist hart, ihr Anblick gefürchtet, doch sie gelten als notwendig. Ohne Untergang, so lehrt Feor, kann es keine Wiederkehr geben.

Feor-Tempel sind Orte des Übergangs. Im Zentrum steht stets der Ring der Neuschöpfung: ein Kreis aus Kerzen, Erde und Feuer, der Leben und Tod gleichermaßen symbolisiert. Gläubige bringen Erde aus ihrer Heimat dar, bevor sie den Tempel betreten, als Zeichen ihrer Verbundenheit mit dem Kreislauf.

Die Rituale Feors begleiten alle wichtigen Stationen des Lebens: Geburt, Reinigung, Tod. Besonders der Tod gilt nicht als Ende, sondern als notwendiger Schritt, um Platz für Neues zu schaffen. Feuer, Erde, Asche und Wasser sind dabei zentrale Elemente, die Wandel und Gleichgewicht versinnbildlichen.

In Verdonia ist der Glaube an Feor allgegenwärtig. Seine Lehren prägen Recht, Moral und Gemeinschaft. Selbst jene, die anderen Göttern folgen, erkennen Feor als Hüter des Gleichgewichts an. Seine Priesterschaft fordert keinen blinden Gehorsam, sondern Respekt vor dem Kreislauf – und vor der Verantwortung jedes Einzelnen, ihn nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Wer Feor ehrt, ehrt nicht nur das Leben, sondern auch den Tod. Nicht aus Grausamkeit, sondern aus Einsicht: Dass beides untrennbar miteinander verbunden ist.

Obwohl Verdonia die Verehrung anderer Götter duldet, ist Feor unzweifelhaft die Staatsreligion des Reiches. Unter seinem Zeichen werden Könige gekrönt, Adelige in ihre Pflichten eingesetzt und Würdenträger auf ihr Amt eingeschworen. Kein Herrscher gilt als rechtmäßig, der nicht vor Feors Kreislauf Verantwortung abgelegt hat, und kein Eid besitzt Gewicht, der nicht zumindest sinnbildlich in seinem Namen gesprochen wurde. Feor wacht über Ordnung und Wandel gleichermaßen – und verleiht weltlicher Macht ihre Legitimation.