Aridon

Südlich von Verdonia, jenseits des breiten Flusses Ende, erstreckt sich Aridon – ein Land, das von Trockenheit, kargen Böden und großer Weite geprägt ist. Nur wenige dauerhafte Gewässer durchziehen die Landschaft, und Regen ist selten. Das Klima formte über Generationen hinweg Menschen, die gelernt haben, mit Mangel zu leben: ausdauernd, genügsam und widerstandsfähig.
Die Einwohner Aridons gelten in Verdonia als widerspenstig und eigenwillig, ein Ruf, der nicht allein auf Vorurteilen beruht. In einem Land, in dem das Überleben tägliche Anstrengung bedeutet, haben sich starke Familienbindungen, ein ausgeprägter Stolz und eine tiefe Skepsis gegenüber Fremdherrschaft entwickelt. Entscheidungen werden dort traditionell innerhalb von Sippen oder Dorfgemeinschaften getroffen, nicht leichtfertig und selten ohne hitzige Diskussionen.
Da Aridon von Verdonia befriedet wurde, hat es keine eigene Hauptstadt mehr, sondern wird von Valburg aus vom König regiert. Die Landesfarben sind gelb und grün, die geviertelt zusammen mit Eichenbaum und Eicheln das Wappen zieren.
Nach der Befriedung Aridons durch Verdonia verlor das Land seine politische Eigenständigkeit. Eine eigene Hauptstadt existiert nicht mehr; Verwaltung und Rechtsprechung erfolgen von Valburg aus, im Namen des verdonischen Königs. Zwar sind verdonische Gesetze offiziell bindend, doch in vielen abgelegenen Regionen werden sie mit Verzögerung oder nur dem Wortlaut nach umgesetzt. Lokale Bräuche und Auslegungen haben weiterhin Gewicht.
Verdonische Garnisonen und Verwaltungsbeamte sind vor allem entlang der Handelsrouten und größeren Siedlungen präsent. In den entlegeneren Gebieten hingegen bleibt Aridon weitgehend sich selbst überlassen – ein Umstand, der Ruhe wie auch Unmut nährt.
Die kargen Bedingungen erlauben kaum großflächige Landwirtschaft. Stattdessen leben viele Regionen von Viehzucht, widerstandsfähigen Getreidesorten und dem Handel mit seltenen Gütern, die nur unter ariden Bedingungen gedeihen. Besonders Gewürze, Farbstoffe, Stoffe und robuste Pferde aus Aridon sind in Verdonia geschätzt, wenn auch teuer.
Karawanen durchqueren das Land auf alten Routen, stets bedacht auf Wasserstellen und sichere Rastplätze. Überfälle und Schmuggel sind keine Seltenheit, teils aus Not, teils aus Widerstand gegen verdonische Kontrolle.
Trotz aller Widerstände gegen die verdonische Herrschaft hat sich eine Sache auch in Aridon unumkehrbar durchgesetzt: die Feuermark als Währung. Selbst unter jenen, die der Krone offen oder heimlich ablehnend gegenüberstehen, ist sie fest verankert. Handel, Sold, Bestechung und Versorgung folgen längst nicht mehr alten Tauschsystemen allein, sondern den modernen Gegebenheiten, denen sich auch Widerständler beugen mussten.
Auch in Aridon wird Feor verehrt, doch der Fokus liegt weniger auf Neuschöpfung und Wachstum als auf Ausharren, Entbehrung und Beständigkeit im Kreislauf. Das Leben gilt als Prüfung, der Tod als Ruhe, nicht als Versprechen. Rituale sind schlicht, Tempel oft kaum mehr als geweihte Steinkreise oder einfache Hallen. Der Glaube ist stiller, härter, aber tief verwurzelt.
Diese andere Auslegung des gleichen Gottes ist eine stete Quelle von Missverständnissen – und gelegentlich von Konflikten – zwischen Aridon und Verdonia.
Die Landesfarben Gelb und Grün stehen für Sonne und spärliches Wachstum. Das geviertelte Wappen mit Eichenbaum und Eicheln symbolisiert Standhaftigkeit und das Festhalten an der eigenen Identität – selbst in trockener Erde. Auch unter verdonischer Herrschaft bleibt Aridon ein Land mit starkem Selbstverständnis.
Aridon mag befriedet sein, doch vergessen hat es wenig. Und auch wenn das Reich offiziell geeint ist, bleibt der Süden ein Ort, an dem Geduld, Stolz und Erinnerung tiefer wurzeln als jede Flagge.
