Raagenmark

Raagenmark

Das Land, von ihren Bewohnern manchmal auch schlicht Freimark genannt, von Nachbarländern hingegen zumeist unter dem historischen Namen Dorner Marken geführt, liegt im nördlichen Nalabnor, eingebettet in einen dichten, uralten Forst. Das Herz des Landes ist Wielund, eine kleine Stadt mit Monumenten von tiefer spiritueller Bedeutung, die auf druidische Überlieferungen zurückgehen älter sind als die Magierkriege selbst.

Auf dem Papier ist das Land reich. Hochwertiges Bauholz, ausgedehnte Torfgebiete, gesunde Wildbestände, diverse Steinvorkommen und zumindest ein weitreichendes Vorkommen Kupfererz. Reichtümer, die in ihrer Nachbarschaft viele neidische Blicke einbringen. Die Einheimischen, die Raagen, entnehmen dem Land hingegen nur, was sie brauchen und leben aus Überzeugung in relativer Armut. Entsprechend ist der größte Teil des Landes unbewirtschaftet.
Die meisten Raagen führen ein sehr einfaches Leben, das sich eng an den Rhythmen des Waldes orientiert, in kleinen Gemeinschaften, die sich selten weiter als nötig aus ihrer Ecke des Waldes herauswagen.

Die Unabhängigkeit des Landes ist stark umstritten. Kaum ein anderes Reich erkennt die Raagenmark tatsächlich an, was auch an ihrer Weigerung liegt, Diplomatie mit anderen Ländern zu betreiben. Darüber hinaus beäugen mehrere Nachbarländer die reichen, weitgehend unerschlossenen Ländereien mit wachsendem Interesse. Ein Interesse, das hauptsächlich durch den bestehenden Pollenfluch eingedämmt wird.

Der Fluch entstand wenige Jahre vor der Begründung der Nation und ist ein mysteriöser Effekt, der Einwohner nahezu vollkommen verschont, Eindringlinge hingegen langsam verseucht und schließlich tötet. Eingeweihte des Zirkels haben Mittel und Wege gefunden den Schutz temporär über Gäste von außen auszudehnen und so freien Zugang zum Land zu verschaffen. Da so wenig vom inneren Wirken des Landes bekannt ist, ist dies ist ein begehrtes Geheimnis unter den umliegenden Ländereien.

Der Fluch hat sich die ersten 55 Jahren sehr konsistent gehalten, es wird jedoch zunehmend ersichtlich, dass er in den letzten 10 Jahren instabil geworden ist, sodass er großflächig schwächer und stellenweise stärker wird auf eine Art und Weise die schwer bis gar nicht vorherzusehen ist.

Die Raagen sind ein sehr in sich gewandtes Volk mit tiefen Wurzeln in mündlicher Überlieferung und Naturverehrung. Als Grenzvolk entstanden, lebten sie Jahrhunderte lang am Rand der nalabnitischen Gesellschaften als Bauern, Waldläufer, Förster und derartigen in einem konstanten Zustand der Ausgrenzung, bevor sie sich geschlossen in den Dorner Forst zurückzogen und dort schlussendlich zu einer eigenen Nation formten. Diese Geschichte sitzt tief: Misstrauen gegenüber Fremden ist ein fester Bestandteil des Raagener Weltbilds.

Trotzdem erleben Reisende heute eine Gesellschaft im Wandel. Der schwächelnde Fluch hat zum ersten Mal stete Ströme von Gästen möglich gemacht, und die Raagenmark öffnet sich zögernd der Außenwelt.
Nicht alle im Land heißen das willkommen.

Die Verehrung der Natur als Ganzes, nicht einer einzelnen Gottheit, sondern der vitalen Natur selbst, ist der Grundsatz des Zirkels und damit der Raagenmark als Ganzes. Namenlose Naturgeister und die Weisheit der Ahnen werden in mündlichen Überlieferungen bewahrt und zu Jahreszeittreffen erneuert.

Daneben hat die Verehrung von Haroket, als Fluss- und Regengott aus dem Glauben der Blentaris, überraschend Fuß gefasst. Er wird akzeptiert, wenn auch mit einem gewissen Unbehagen der älteren Generationen.

Gesellschaftlich ist die Raagenmark heute tief gespalten. Der Zirkel, die altehrwürdige Gemeinschaft der Naturweisen, führt das Land und den Ältestenrat. Die Buchenwacht, ein militärisch ausgerichteter Bund, der den Großteil der wehrfähigen Bevölkerung hinter sich weiß, steht dem Zirkel in wachsender Spannung gegenüber.

Magie nimmt im Land einen wichtigen Posten ein. Die Fähigkeit mit magischen Mitteln mit der Natur zu interagieren wird sehr hoch angesehen. Es besteht im Zirkel die Erwartung diese breitflächig zum Wohl des Landes einzusetzen.

Die Raagenmark wird vom Ältestenrat geführt, einem Gremium aus den erfahrensten Weisen des Zirkels sowie einigen wenigen Vertretern der bedeutenderen Gemeinschaften des Landes. An der Spitze steht der Protektor, ein Amt, das weniger dem Befehlshaben als dem Hüten gilt, im Rat das letzte Wort und die entscheidende Stimme führt, sowie das funktionelle Oberhaupt des Zirkels ist.

Der Zirkel selbst ist keine Regierung im herkömmlichen Sinne. Er ist zugleich spirituelle Gemeinschaft, gelehrte Institution und politische Führung. Eine Verschmelzung, die in der Raagenmark vollkommen normal erscheint, außerhalb ihrer Grenzen jedoch regelmäßig für Stirnrunzeln sorgt, da sie mehr durch Ambitionen als durch Blutlinie in Aristokratien oder Unterstützung des Volkes in Republiken begründet ist.

Die Raagenmark kennt keinen Adel im Inneren und erkennt auch keinen Adel von anderswo an. Ansehen erwirbt sich durch Wissen, durch Dienst an der Gemeinschaft und durch die Tiefe der Verbindung zur vitalen Natur. Das macht die Gesellschaft nicht egalitär, aber die Hierarchien verlaufen entlang anderer Linien als in den umliegenden Ländern.

Die Buchenwacht ist die militärische Kraft der Raagenmark. Sie sind Grenzpatrouille, Gesetzeshüter und, wenn nötig, Armee in einem. In einer Nation, die sich ein Jahrhundert lang auf einen magischen Schleier als erste Verteidigungslinie verlassen konnte, war ein stehendes Heer nie dringend nötig. Die Buchenwacht ist daher eher ein Korps erfahrener Waldläufer und Grenzhüter als eine Truppe im klassischen Sinne.

Das Verhältnis zwischen Buchenwacht und Zirkel ist traditionell das von Schild und Verstand: die einen schützen, was die anderen aufbauen und bewahren. In der Praxis reibt es sich zunehmend. Die Buchenwacht sieht sich mit einer Bedrohung konfrontiert, auf die der Zirkel aus Sicht der Buchenwacht zu langsam reagiert: Der Fluch schwächelt, fremde Eindringlinge kommen weiter ins Land als je zuvor, und die Zahl jener, die an den Grenzen kämpfen, reicht kaum aus, um aufzufangen, was der magische Schleier nicht mehr leistet.

Die Raagenmark ist relativ jung, auch wenn die ersten Bausteine schon Jahrhunderte zuvor begannen sich zu fügen. In einer Zeit schwerer Hungersnöte, blutiger Konflikte und verheerender Seuchen begannen die schon damals naturverbundenen Raagen sich in dem zu jener Zeit unwirtlichen Landstrich des Dorner Forsts niederzulassen.

Als die Grafschaft Kalln lange Zeit später versuchte, den nun deutlich attraktiveren Dorner Forst zu bewirtschaften, entstand ein Konflikt zwischen der Grafschaft auf der einen und den Raagen sowie dem Zirkel, der in Wielund seine heilige Stätte unterhält, auf der anderen Seite. Der Konflikt wurde schnell blutig und endete schlagartig, als 1058 NdMk ein unbekannter Druide den Landstrich mit einem bis heute unidentifizierten Zauber verfluchte und dabei die Unterdrücker tötete oder vertrieb. Neun Jahre später einigten sich die Raagen unter der Führung des Zirkels darauf, ihre Nation offiziell zu begründen, und so wurde 1067 NdMk die Freimark Raagenmark ausgerufen.